BayPapier aktuell

Jahrestagung des Verband Bayerischer Papierfabriken e.V.: Klare Forderungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und starke industriepolitische Impulse

Neben den internen Etat- und Budgetberatungen, Nachwahlen und Beschlüssen stand insbesondere der intensive Austausch mit Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften bei der Jahrestagung des Verband Bayerischer Papierfabriken e.V. (VBP) im Haus der Bayerischen Wirtschaft im Mittelpunkt. Hochrangige Gäste, klare industriepolitische Forderungen und eine gemeinsame Resolution mit der IGBCE prägten die Veranstaltung. In seinem Bericht zur Lage der Industrie zeichnete der Vorstandsvorsitzende Jürgen Schaller ein deutliches Bild der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Deutschland, die auch 2025 erneut kaum Wachstum verzeichnete. Insbesondere die Folgen für die energieintensive Papierindustrie sind mittlerweile gravierend. Schaller benannte vor allem hohe Energiepreise, volatile Rohstoffmärkte und zunehmende globale Unsicherheiten als zentrale Belastungsfaktoren. Handelskonflikte, fehlende Planbarkeit und geopolitische Konfliktherde erschwerten die Rahmenbedingungen zusätzlich.

Für die Branche selbst fiel die Bilanz ernüchternd aus: Bundesweit sank die Papierproduktion 2025 um 2,5 Prozent, in Bayern sogar um rund 10 Prozent. Besonders betroffen ist der Bereich grafischer Papiere, der deutlich stärker schrumpft als im europäischen Durchschnitt. „Der heimische Industriestandort verliert zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit“, betonte Schaller.

Die wirtschaftlichen Folgen seien bereits sichtbar: angespannte Ertragssituationen, Stilllegungen von Papiermaschinen und Standortschließungen. Gleichzeitig kritisierte Schaller, dass politische Entlastungen bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Stattdessen sähen sich Unternehmen mit steigenden Lohnnebenkosten, höheren Rohstoff- und Logistikkosten sowie zunehmender Regulierung konfrontiert. Besonders kritisch äußerte sich Schaller zur geplanten Reduzierung von Zertifikaten im europäischen Emissionshandel, die die Branche jährlich mit über 140 Millionen Euro belasten könnte. Auch der angekündigte Industriestrompreis kommt in der Papierindustrie nicht an.

Schaller forderte eine spürbare Entlastung von Berichtspflichten und schnellere Genehmigungsverfahren. Als Beispiel nannte er die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die in ihrer aktuellen Ausgestaltung zu erheblichem Mehraufwand führen könne, ohne zusätzlichen Nutzen zu schaffen. Zugleich unterstrich er die Bedeutung der Tarifbindung als funktionierendes und ausgewogenes System.

Ein zentrales Signal der Jahrestagung war die gemeinsame Resolution von VBP und IGBCE mit dem Titel „Papierindustrie stärken – Transformation gestalten – Wohlstand mehren“, die an den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger übergeben wurde. Schaller lobte bei der Übergabe die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der IGBCE – vertreten durch Dr. Stefan Plenk – und mahnte eine dringende Unterstützung durch die Politik für verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen an. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bedankte sich für die gemeinsame Initiative, die den bayerischen Forderungen nach mehr Spielräumen für die Unternehmen in Stoßrichtung Berlin und Brüssel zusätzlichen Rückenwind verleiht.

In seiner anschließenden Keynote zum Thema „Müssen wir uns wieder mehr anstrengen? – Impulse zur Reform des Sozialstaats aus bayerischer Sicht“ setzte der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger dann klare Akzente für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Reformbereitschaft. „Wir müssen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit unsere Industrie wieder wachsen kann – mit weniger Bürokratie, wettbewerbsfähigen Energiepreisen und einem Sozialstaat, der Leistung fördert und nicht ausbremst.“

Anschließend beleuchtete Roland Wolf von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) die sozialpolitische Agenda 2026 und stellte die Positionen der Arbeitgeber dar. Insbesondere ging er auf die Reform der Lohfortzahlung im Krankheitsfall, die längst überfällig ist sowie die Reform des Arbeitszeitgesetzes ein.

Den Abschluss bildete eine prominent besetzte Podiumsdiskussion zur Frage: „Mehr Arbeit oder smartere Arbeit – was stärkt die Wettbewerbsfähigkeit?“ Es diskutierten: Dr. Sabine Jarothe (Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie), Roland Wolf (BDA), Christine Völzow (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.), Jürgen Schaller (VBP / Carl Macher GmbH & Co. KG), Dr. Stefan Plenk (IGBCE Landesbezirk Bayern). Im Zentrum standen Wege zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts sowie die Balance zwischen Arbeitszeit, Produktivität und Innovation.

Jahrestagung des Verband Bayerischer Papierfabriken e.V.: Klare Forderungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und starke industriepolitische Impulse
Dr. Thorsten Arl
Dr. Thorsten Arl
Hauptgeschäftsführer • Syndikusrechtsanwalt

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