Der Verband Bayerischer Papierfabriken e.V. (VBP) hat im Rahmen eines politischen Dialogs den CSU-Bundestagsabgeordneten Heiko Hain in der Papierfabrik Carl Macher GmbH & Co. KG in Brunnenthal bei Hof eingeladen. Als Gastgeber fungierte der geschäftsführende Gesellschafter Jürgen Schaller, zugleich Vorstandsvorsitzender des VBP. Den politischen Dialog begleiteten auf Seiten von BayPapier Hauptgeschäftsführer Dr. Thorsten Arl sowie Patrick Zens, Leiter Kommunikation & Bildung.
Zu Beginn schilderte Jürgen Schaller eindrücklich die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen eines mittelständischen Unternehmens mit rund 140 Beschäftigten. Dabei kritisierte er insbesondere politische Maßnahmen und deren Umsetzung: So sei die angekündigte Arbeitgeberprämie von 1.000 Euro von politischer Seite so dargestellt worden, als würde sie wie selbstverständlich von den Arbeitgebern an die Arbeitnehmer ausbezahlt werden. Weiter kritisiert er, dass die Strompreiskompensation zwar eine große Unterstützung für die Unternehmen sei, in der Praxis aber mit erheblichen Unsicherheiten und bürokratischem Aufwand verbunden ist. Auch der diskutierte Industriestrompreis stelle für die Papierindustrie aufgrund beihilferechtlicher Vorgaben der EU keine realistische Entlastungsoption dar. Zudem forderte Schaller, dem Energieträger Wasserstoff künftig deutlich mehr Gewicht einzuräumen, um eine erfolgreiche Transformation in der Energieerzeugung zu erreichen.
Dr. Thorsten Arl weitete die Perspektive auf die gesamte Branche aus und unterstrich die strukturellen Wettbewerbsnachteile des Standorts Deutschland. Besonders die hohen Energiekosten stellten eine erhebliche Belastung dar. Darüber hinaus sprach er sich für Reformen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aus, die Arbeitgeber jährlich mit über 80 Milliarden Euro belaste. Auch die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung sowie eine stärkere Flexibilisierung des Arbeitsalltags seien aus Sicht der Branche dringend geboten.
Heiko Hain zeigte Verständnis für viele der vorgebrachten Punkte und bestätigte, dass insbesondere die Energiepreise ein zentrales Handlungsfeld seien. Im Rahmen parlamentarische Beratungen habe er sich bereits für eine Reduzierung von Steuern und Abgaben auf Energie eingesetzt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken. Zugleich machte er deutlich, dass insbesondere bei sozialpolitischen Themen die Abstimmung mit dem Koalitionspartner herausfordernd sei.
Im Anschluss an das Gespräch erhielt der Bundestagsabgeordnete bei einem Rundgang umfassende Einblicke in die Produktionsprozesse vor Ort – vom Altpapierlager über die Papiermaschine und das Kraftwerk bis hin zur Kläranlage und dem Logistiklager. Der Austausch wurde von allen Beteiligten als äußerst wertvoll bewertet. Er bot nicht nur die Gelegenheit, aktuelle Herausforderungen offen anzusprechen, sondern auch, gegenseitiges Verständnis zu vertiefen und gemeinsame Lösungsansätze zu diskutieren.
Foto (v.l.n.r): BayPapier-HGF Dr. Thorsten Arl, MdB Heiko Hain, Lukas Schwiertz, StMWI, Jürgen Schaller, GF Carl Macher GmbH & Co. KG und Patrick Zens, BayPapier
