BayPapier aktuell

Wettbewerbsfähigkeit sichern: Papierindustrie fordert verlässliche Energiepolitik

Wie kann die Papierindustrie den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken und gleichzeitig ihre ambitionierten Klimaziele erreichen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines politischen Dialogs des Verbands Bayerischer Papierfabriken e.V. (VBP) mit der Bundestagsabgeordneten Heike Heubach bei der UPM GmbH in Augsburg. Organisiert wurde der Austausch von BayPapier-Hauptgeschäftsführer Dr. Thorsten Arl und Patrick Zens, Leiter Kommunikation & Bildung. Gastgeber waren die UPM-Geschäftsführerin Dr. Eva Kriegbaum und der Director Operations am Standort, Markus Ladebeck. Ebenfalls an der Gesprächsrunde nahm Dr. Franz Reiter vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWI) teil, der dort im Referat für Grundsatzfragen der Industrie für die Papier- und Verpackungsindustrie zuständig ist.

Zu Beginn zeichnete Dr. Thorsten Arl ein Bild der aktuellen Lage der deutschen Papierindustrie. Rückläufige Produktions- und Umsatzzahlen sowie sinkende Beschäftigtenzahlen verdeutlichen den anhaltenden Strukturwandel der Branche: Die Nachfrage verlagert sich zunehmend von grafischen Papieren hin zu Verpackungspapieren. Dieser Wandel geht vielerorts mit Maschinenstilllegungen und Werkschließungen einher, gerade in Bayern mit seinem ehemals hohen Anteil an grafischen Papiermaschinen. Gleichzeitig machte Arl deutlich, dass Papier unverzichtbar bleibt – als innovativer, nachhaltiger Werkstoff mit Vorbildcharakter. Mit einer Altpapiereinsatzquote von rund 85 Prozent gehört die Papierindustrie zu den erfolgreichsten Kreislaufwirtschaften überhaupt, leistet einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz und ist aus dem täglichen Leben der Menschen nicht wegzudenken.

Anschließend erläuterte Dr. Eva Kriegbaum die Herausforderungen und Erfolge des UPM-Standorts Augsburg. Im Fokus standen die Themen Klima, Wasser und Energie. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 70 Prozent zu reduzieren. Bereits heute konnten der Wassereinsatz um 40 Prozent sowie der Energieverbrauch durch Effizienzmaßnahmen, z.B. Wärmerückgewinnung um 71 Prozent gesenkt werden.

Dennoch steht der Standort im internationalen Wettbewerb erheblich unter Druck. Im Vergleich zu Produktionsstandorten beispielsweise in den nordischen Ländern belasten deutlich höhere Strompreise, steigende Abwassergebühren sowie ein rund 15-mal höherer CO₂-Fußabdruck die Wettbewerbsfähigkeit. Und der CO₂-Ausstoß wirkt sich unmittelbar auf die Kosten des europäischen Emissionshandels (ETS) aus, bei dem die Branchenvertreter dringend Nachbesserungen forderten, um den Unternehmen nicht die notwendige Liquidität zu entziehen, die sie im internationalen Wettbewerb, z.B. für die Dekarbonisierung der Produktion, benötigen. Zwar führt der neueste Anpassungsvorschlag der EU-Kommission für die ETS-Benchmarks dazu, dass die kostenlose Zuteilung der CO₂-Zertifikate langsamer abschmilzt als früher vorgesehen, allerdings sollen die Unternehmen die eingesparten Mittel verpflichtend in Nachhaltigkeitsmaßnahmen investieren – häufig scheitert dies jedoch an fehlenden technischen Voraussetzungen, etwa unzureichenden Stromnetzkapazitäten oder fehlenden Netzanschlüsse. Auch die zeitversetzte Auszahlung der Strompreiskompensation kann zu Liquiditätsengpässen führen, was Investitionen zusätzlich erschwert.

Die Gespräche mündeten in drei klaren politischen Forderungen der Papierindustrie:

  • Planbare und international wettbewerbsfähige Stromkosten
  • Flexible und industriegerechte Netzentgelte
  • Eine sichere Versorgung mit CO₂-arm erzeugtem Strom

Die Bundestagsabgeordnete Heike Heubach zeigte sich beeindruckt von den Anstrengungen des Unternehmens auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und brachte großes Verständnis für die Herausforderungen der energieintensiven Papierindustrie zum Ausdruck. Sie versprach, die Themen mit in den Bundestag zu nehmen und das Gespräch mit den zuständigen Fachkollegen zu suchen. Der offene Dialog machte deutlich: Damit Unternehmen weiterhin in Deutschland investieren und klimafreundlich produzieren können, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Foto (v.l.n.r.):

Dr. Franz Reiter, Patrick Zens, Dr. Thorsten Arl, MdB Heike Heubach, Dr. Eva Kriegbaum und Markus Ladebeck

Wettbewerbsfähigkeit sichern: Papierindustrie fordert verlässliche Energiepolitik
Dr. Thorsten Arl
Dr. Thorsten Arl
Hauptgeschäftsführer • Syndikusrechtsanwalt

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