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vbw: Energiewende droht bei jetzigem Tempo zu scheitern

Bei der Vorstellung des 10. Monitorings der Energiewende der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. zieht vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt ein ernüchterndes Fazit zum Stand der Energiewende in Deutschland: „Bei der Umsetzung der Energiewende treten wir im besten Fall auf der Stelle. Laut dem von der Prognos AG erstellten Monitoring schneiden wir in einigen Bereichen sogar schlechter ab als im Vorjahr. Während die Umsetzung weiterhin lahmt, wurden die Klimaziele erneut verschärft. Wir müssen festhalten, dass Anspruch und Wirklichkeit bei der Energiewende immer weiter auseinanderklaffen. Zum 10. Mal stellen wir bei der Energiewende weitgehenden Stillstand fest. Wir müssen nun endlich die Energiewende mit Nachdruck umsetzen“, erklärt Brossardt.

Für die Papier- und Verpackungsindustrie – vor allem für die Papier herstellenden Unternehmen – ist die Situation bereits heute äußerst angespannt. Die unaufhaltsam steigenden Energiekosten bedrohen nicht nur die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller. Für die Papierhersteller als energieintensive Industrie stellt sich die Frage nach dem Geschäftsmodell. Der vollständige Ausstieg aus der Atomenergie bis Ende diesen Jahres wird die Versorgungslage weiter verschlechtern. Die geopolitischen Lage verspricht keine kurzfriste Entspannung, so dass auch die Gasversorgung eine beständige Herausforderung bleiben wird. „In dieser Situation muss die Politik schnellstens alle gesetzlichen und rechtlichen Hindernisse aus dem Weg räumen, die bislang Investitionen in nachhaltige Energieerzeugung gebremst haben“, so Dr. Thorsten Arl, Hauptgeschäftsführer BayPapier.

Aus Sicht der vbw ist insbesondere die Entwicklung der Strompreise besorgniserregend: „Die Strompreise sind weiter gestiegen. Damit belegen wir europaweit den vorletzten Platz. Das ist Gift für eine Industrienation, die erfolgreich wirtschaften und gleichzeitig die Klimaziele erreichen will. Viele klimafreundliche Technologien sind strombasiert. Hier sind neben der Abschaffung der EEG-Umlage dringend weitere politische Maßnahmen wie die Absenkung der Stromsteuer nötig“, so Brossardt.

Zudem bleibt der verzögerte Ausbau des Stromnetzes ein ernstes Problem, so die Ergebnisse der Studie. Vor allem der Bau der großen Übertragungsleitungen Richtung Süden stagniert. Trotz derzeit noch guter Versorgungssicherheit nehmen Eingriffe und Sicherheitsmaßnahmen ins Stromnetz zu. Kostenpunkt: 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2020. „Ein zukunftstaugliches Stromnetz muss jetzt auf den Weg gebracht werden. Dazu gehört, das Netz auf dezentrale Einspeisungen von Strom aus erneuerbarer Energie vorzubereiten. Der zuletzt lahmende Ausbau der Erneuerbaren ist ein weiterer Punkt, der dringend angegangen werden muss. Wir brauchen eine Ausbau-Offensive aller erneuerbaren Energien. Dafür müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren auf allen Ebenen weiter entschlackt, modernisiert und vereinfacht werden“, konstatiert Brossardt.

Insgesamt lassen sich aus dem Monitoring kaum positive Entwicklungen ableiten. „Die wenigen erfreulichen Ergebnisse sind allein auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Der bundesweite Rückgang von Energie- und Stromverbrauch (7,1 bzw. drei Prozent im Jahr 2020) sowie Emissionsminderungen (8,6 Prozent) sind daher nicht nachhaltig. Die neuen Klimaziele erfordern schnellstmöglich strukturelle Veränderungen im Energiesystem. Dabei ist zu beachten, dass Strom-, Gas- und Wasserstoffnetz gemeinsam geplant werden“, fordert Brossardt abschließend.

Das 10. Monitoring der vbw zur Energiewende können Sie anbei herunterladen.

 Markus Erlewein
Markus Erlewein
Dipl.-Ing. • Dipl.-Wirtsch.-Ing • Referent Umwelt, Energie & Arbeitswirtschaft

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