Die aktuellen Herausforderungen der Papier- und Verpackungsindustrie standen im Mittelpunkt eines politischen Dialogs bei der LEIPA Georg Leinfelder GmbH in Schrobenhausen. Zu Gast war der Bundestagsabgeordnete Christian Moser, umweltpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag und damit ein zentraler Ansprechpartner für die Branche in umwelt- und industriepolitischen Fragen. Der Austausch wurde von BayPapier initiiert und organisiert. Seitens des Verbandes übernahmen Hauptgeschäftsführer Dr. Thorsten Arl sowie der Leiter Kommunikation & Bildung, Patrick Zens, die Koordination. Die Bedeutung des Termins unterstrich zudem die Teilnahme von Christoph Baller, Leiter Public Affairs des Bundesverbandes DIE PAPIERINDUSTRIE (DPI). Die LEIPA Group wurde durch den geschäftsführenden Gesellschafter Robin Huesmann, den Geschäftsführer der LEIPA Flexibles GmbH, Dr. Dr. Uwe Bölz, sowie Werkleiter Robert Schiefner vorgestellt.
Zu Beginn stellten die Gastgeber die vielfältigen Geschäftsfelder der LEIPA Group vor. Das Portfolio reicht von der Kartonherstellung über papierbasierte flexible Verpackungslösungen und Recycling bis hin zu Logistikdienstleistungen. Im Anschluss entwickelte sich eine intensive und tief gehende Fachdiskussion über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der weiterhin hohen Energiekostenstruktur für die energieintensive Industrie in Deutschland. Die Vertreter der Branche begrüßten ausdrücklich die Entscheidung der Europäischen Kommission, künftig Industriestrompreis und Strompreiskompensation miteinander kombinieren zu können. Nun sei es Aufgabe der Bundesregierung, die dafür erforderlichen Haushaltsmittel bereitzustellen. Gleichzeitig machten die Unternehmens- und Verbandsvertreter auf die langen Auszahlungszeiträume der Förderinstrumente aufmerksam. Vorfinanzierungszeiten von bis zu 18 Monaten könnten in Einzelfällen insbesondere für mittelständische Unternehmen erhebliche Liquiditätsbelastungen verursachen. Deshalb appellierten sie an die Politik, die Auszahlungsverfahren deutlich zu beschleunigen.
Ein weiteres zentrales Thema war die geplante Überarbeitung der ETS-1-Benchmarks für den Zeitraum 2026 bis 2030. Nach Einschätzung der Branche würden die aktuellen Vorschläge der Europäischen Kommission zu einer Verknappung und Verteuerung von CO₂-Zertifikaten führen und damit die Gefahr von Carbon Leakage weiter verschärfen. Die Branchenvertreter forderten deshalb Nachbesserungen, insbesondere bei der Benchmarkberechnung für den Einsatz von Biomasse. Andernfalls drohten der deutschen Papierindustrie zusätzliche Belastungen von rund 140 Millionen Euro durch den Wegfall kostenloser Zertifikate. MdB Christian Moser bestätigte, dass sich auch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) für eine Reform des ETS und der Benchmark-Methodik einsetzt.
Darüber hinaus sprachen sich die Branchenvertreter bei europäischen Regulierungen wie der PPWR, der EUDR oder der DIWASS-Richtlinie für eine möglichst praxisnahe und bürokratiearme Umsetzung aus. Insbesondere die Berichterstattungspflichten müssten auf ein notwendiges Maß begrenzt werden. Positiv bewerteten die Teilnehmer in diesem Zusammenhang, dass die Bundesregierung bislang keinen Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie vorgelegt habe. Nach Aussage von MdB Moser werde stattdessen eine Neujustierung der Unternehmensgrößenklassen auf EU-Ebene gefordert.
Abschließend warben die Vertreter der Papierindustrie für eine stärkere Kaskadennutzung des Rohstoffs Holz. Holz sollte zunächst stofflich genutzt und erst am Ende seines Lebenszyklus energetisch verwertet werden. MdB Moser zeigte Verständnis für dieses Anliegen und verwies auf die unterschiedlichen Interessenlagen der beteiligten Akteure, erkannte jedoch zugleich den bestehenden Zielkonflikt mit Blick auf die langfristige Rohstoffverfügbarkeit an.
Den Abschluss des politischen Dialogs bildete ein Rundgang über das Betriebsgelände. Dabei erhielten die Gäste Einblicke in die Kartonproduktion sowie in die modernen Anlagen zur Beschichtung und Bedruckung papierbasierter flexibler Verpackungen. Der Besuch machte deutlich, welche Innovationskraft und Zukunftspotenziale die deutsche Papier- und Verpackungsindustrie bietet – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen stärken Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und nachhaltiges Wachstum. Positiv bewerteten die Unternehmens- und Verbandsvertreter auch das Detailwissen bei den für die Branche relevanten Themen von MdB Moser und machten deutlich, auch künftig im Austausch bleiben zu wollen.
Foto v.l.n.r.: Werkleiter Robert Schiefner, Patrick Zens und Dr. Thorsten Arl von BayPapier, Dr. Dr. Uwe Böltz sowie Robin Huesmann von LEIPA, MdB Christian Moser und Christoph Baller vom DPI.
