Rohstoffe

Nachhaltiges Wirtschaften und das Einsparen von Ressourcen wird in der Gesellschaft von vielen gefordert, aber von wenigen umgesetzt. Die Bayerische Papierindustrie nutzt schon heute zum größten Teil Altpapier als Rohstoff für die Papiererzeugung. Holz wird vorrangig aus heimischen Wäldern bezogen, die zertifiziert nachhaltig bewirtschaftet werden. BayPapier ist damit einer der großen Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz.

Altpapier ist Rohstoff Nr. 1!

Die ausreichende Verfügbarkeit von Rohstoffen zu adäquaten Marktpreisen hat höchste Priorität für die Sicherung des Standortes Deutschland als Produktionsstandort Nr. 1 in Europa. Die bayerischen Papierfabriken produzieren jährlich rund 5 Mio. Tonnen Papier. Altpapier ist der quantitativ wichtigste Rohstoff für die Papiererzeugung in Bayern. Jährlich besteht hier ein Bedarf von über 3,4 Mio. Tonnen gebrauchter Zeitungen, Magazine, Faltschachteln und Kartonagen, die von Haushalten und der Industrie gesammelt wieder in den Produktionskreislauf zurückkehren. Die bayerische Papierindustrie ist deutschlandweit Spitzenreiter beim Altpapiereinsatz.

Die Papierindustrie ist damit ein herausragendes Beispiel für hervorragend funktionierende Recyclingkreisläufe. Mit jeder eingesetzten Tonne Altpapier reduzieren wir bei der Herstellung von Papier deutlich den Verbrauch an Energie, Wasser und Holz. Das ist gelebter Ressourcenschutz und gelebte Produktverantwortung. Der Altpapiereinsatz trägt maßgeblich zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei und ist ein aktiver Beitrag der Papierindustrie zum Klimaschutz.

Zum Schutz des Recyclingkreislaufs sind folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  • Vorrang der stofflichen Nutzung von Altpapier sichern!
    Altpapier ist ein weltweit gehandelter, hochpreisiger Sekundärrohstoff - und kein Abfall. Das Kreislaufabfall- und Wirtschaftsgesetz muss auch in Zukunft den Vorrang der stofflichen Nutzung vor der Verbrennung zur Energiegewinnung sicherstellen.

  • Getrennterfassung von Altpapier beibehalten!
    Altpapier darf nicht mit Kunststoff, Glas oder anderen Sekundärrohstoffen in einer gemeinsamen Tonne erfasst werden. Die bestehenden getrennten Sammelsysteme sind fortzuführen. Altpapier, das mit Lebensmittelresten oder sonstigen Anhaftungen kontaminiert ist, kann für die Neuherstellung von Papier und Verpackungen nicht mehr eingesetzt werden. Eine kombinierte Sammlung würde den Recyclingkreislauf zerstören und zu erheblichen Umweltbelastungen führen.

Holz: Nachhaltige Waldwirtschaft zentraler Standortfaktor

Die Rohstoffpolitik muss so gestaltet sein, dass der Rohstoff Holz für die Unternehmen in ausreichender Menge, in guter Qualität und zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung steht. Ohne Holz ist Papier und Verpackung nicht denkbar. Holz ist ein natürlicher, heimischer und nachwachsender Rohstoff. Holz bildet den Beginn unserer vollständig geschlossenen Recyclingkreisläufe, die insbesondere die Rücknahme und Wiederverwertung der Holzfasern in Form von Neupapier auf Altpapierbasis mit einschließt. Zur Herstellung hochwertiger Papiere für die grafische Industrie und für technische Einsatzzwecke setzt die bayerische Papierindustrie jährlich knapp 2 Mio rm Waldholz ein. Dazu kommen etwa 350.000 Kubikmeter Nebenprodukte aus der Sägeindustrie. Das Industrieholz fällt typischerweise bei der Durchforstung junger Waldbestände an. Dadurch werden Wälder gepflegt und widerstandsfähiger gemacht. Die regionale Verfügbarkeit von Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft ist für die bayerische Papierindustrie ein zentraler Standortfaktor. Die Bayerische Papierindustrie bezieht, wo immer möglich, Holz von zertifizierten heimischen Waldbesitzern. Um eine flächendeckende Versorgung zu erreichen, setzen wir uns für eine deutliche Ausweitung der über FSC bzw. PEFC zertifizierten Waldflächen ein.

 

Potenzial für Energie aus Biomasse (Waldholz) nicht überschätzen!

Holz ist zwar ein nachwachsender Rohstoff. Es kann jedoch nur soviel Holz geerntet werden, wie einer nachhaltigen, auf Bestandssicherung ausgelegten Waldwirtschaft zuträglich ist.  Das Wort „Nachhaltigkeit“ kommt aus der Forstwirtschaft: Vom Ertrag und nicht von der Substanz leben! In den vergangenen Jahren ist mit der Nutzung von Holz als Energielieferant für Strom und Wärme ein neuer, sehr stark steigender Nachfrager für Waldholz hinzugetreten. Daraus entsteht eine Nutzungskonkurrenz. Das heißt, dass um den Einsatz der verfügbaren Holzvorräte längst ein Kampf entbrannt ist. Das Energiekonzept der Bayerischen Staatsregierung aus Mai 2011 sieht eine Steigerung der energetischen Nutzung von heimischem Holz von heute 4,8 Mio. t auf 5,5 Mio. t Trockenmasse um rd. 15 % vor.
Mit der politisch motivierten Lenkung der Rohstoffströme hin zur Verbrennung von Holz werden bisherige, traditionelle Holzeinsatzzwecke in der Bau-, Säge-, Holzwerkstoff- und Papierindustrie und deren rohstoffliche Basis am Standort Bayern gefährdet. Die finanziellen Anreize u.a. aus dem Erneuerbaren Energiegesetz greifen in den Markt ein und führen zu einer künstlichen Verteuerung und Verknappung des Holzangebotes. Das schädigt nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen und deutschen Papierindustrie. Nach aktuellen Hochrechnungen werden der holzverarbeitenden Industrie im Jahr 2020 etwa 30 Mio. Kubikmeter Holz fehlen.

Mobilisierung des Privatwaldes

Wir setzen uns dafür ein, dass die im geringen Umfang noch bestehenden Reserven für die Holzernte, die im Privatwald zu sehen sind, kurzfristig gehoben werden. Wir unterstützen das Cluster Forst und Holz ausdrücklich in seiner Strategie, bisher nicht bewirtschaftete Flächen des Privatwaldes sukzessive für die Wald- und Forstwirtschaft zu gewinnen. Verläuft diese Mobilisierung erfolgreich, so könnte dies zu einer gewissen Entlastung des Engpasses in der Holzversorgung beitragen.