Presseinformation 09.08.2011

Industriestrompreis steigt bis zu 80 Prozent

Aktuelle Energiepolitik gefährdet Papierindustrie in Bayern

Die Stromkosten für Papierfabriken steigen in den kommenden 14 Jahren um bis zu 80 Prozent. Diese alarmierenden Zahlen ergeben sich aus einer Studie im Auftrag der Bayerischen Papierverbände zusammen mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Die Bayerische Papierindustrie ist mit mehr als 20.000 Mitarbeitern und 5,6 Mrd. Euro Umsatz ein tragender Wirtschaftsfaktor im Freistaat. Sie ist mit ihren Grundstoffen das erste Glied einer langen Wertschöpfungskette von Forst und Recycling bis hin zur Medien- und Verpackungsindustrie.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Branche wurde in jüngster Zeit durch die Verteuerung von Energie und Rohstoffen bereits stark geschmälert. Industriestrom ist in Deutschland heute rund ein Drittel teurer als beispielsweise in Frankreich oder Finnland. Dass die Strompreise in Zukunft weiter drastisch ansteigen werden, belegt nun das von der TU Berlin erstellte Gutachten.

335 Mrd. Euro wird der Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2030 kosten. Diese Berechnungen basieren auf dem Energiekonzept der Bundesregierung und der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Durch die kalkulierten Mehrkosten könnte die EEG-Umlage von derzeit 3,5 ct/kWh auf bis zu 6 ct/kWh bis 2025 steigen. Für die Bayerische Papierindustrie bedeutet dies eine Strompreissteigerung von bis zu 80 %. Das erklärte Ziel der Bundesregierung, die EEG-Umlage und damit die Kosten für die Verbraucher nicht über 3,5 ct/kWh ansteigen zu lassen, wird weit verfehlt.

„Die zu erwartenden Preissteigerungen werden unsere Wirtschaft und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwer belasten“, so Dr. Thorsten Arl, Hauptgeschäftsführer Bayerische Papierverbände. Bei Kostensteigerungen um durchschnittlich 75 % summieren sich die Mehrkosten für den Strombezug auf rund 750 Mio. Euro jährlich. Ein Vergleich mit dem jährlichen Investitionsvolumen der deutschen Papierindustrie von 580 Mio. Euro zeigt, dass die aktuelle Energiepolitik die Branche und damit auch viele Arbeitsplätze erheblich gefährdet. „Um die strompreisbedingten Wettbewerbsnachteile durch den deutschen Sonderweg in der Energiepolitik nicht weiter zu verschärfen und die industrielle Basis für unsere Produktionsstandorte zu sichern, ist es zwingend erforderlich, den Anstieg der Stromkosten zu deckeln“, fordert Dr. Arl. „Wir setzen darauf, dass die Staatsregierung das Thema weiter verfolgt und sich für Bayern als wichtigen Industriestandort stark macht.“