Presseinformation 06.05.2011

Deindustrialisierung durch Energiewende?

Energieintensive Industrien in Bayern fordern: Kernkraft als Brückentechnologie bis zum äquivalenten Ersatz durch andere Energiequellen.

Die energieintensiven Industrien in Bayern sind mit mehr als 100.000 Mitarbeitern und über 25 Mrd. € Umsatz ein tragender Wirtschaftsfaktor im Freistaat. Sie sind mit ihren Grundstoffen das erste Glied einer langen Wertschöpfungskette für Handwerk und Gewerbe bis hin zu Hightech-Branchen wie der Umwelt- und Energietechnik.

Der hohe Anteil der Kernenergie an der Gesamtstromerzeugung erfordert gerade für Bayern eine rationale politische Weichenstellung. Voreilige politische Entscheidungen können unseren Industrien umgehend die Grundlage für Innovation, Produktion und Beschäftigung im Freistaat entziehen.

Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branchen wurde in jüngster Zeit durch Verteuerung von Energie- und Rohstoffen bereits stark geschmälert. Industriestrom ist heute in Deutschland rund ein Drittel teurer als beispielsweise in Frankreich oder Finnland. Die Belastungen durch Energie- und Stromsteuer, EEG und KWKG sind schon heute mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit grenzwertig. Anstatt weiterer Verschärfungen auf nationaler Ebene wären zur Standortsicherung und zum Arbeitsplatzerhalt Entlastungen geboten.

Darüber hinaus betonen die energieintensiven Industrien, Bayern werde nach Abschaltung der Grundlastkraftwerke nicht mehr in der Lage sein, seinen Strombedarf durch eigene Erzeugungskapazitäten zu decken. Damit wird die in Jahrzehnten erreichte Unabhängigkeit der Energieversorgung Bayerns aufgegeben. Hinzu kommen zahlreiche technische Herausforderungen wie die bisher ungelöste Sicherstellung der Netzstabilität, um Produktionsprozesse vor plötzlichen Spannungsabfällen zu schützen. Nach bisherigen Erfahrungen mit entsprechenden Infrastrukturprojekten ist davon auszugehen, dass der Ausbau der Höchstspannungsnetze und die Schaffung der notwendigen Speicherkapazitäten mindestens 20 Jahre in Anspruch nehmen werden.

Ohne eine sichere und vor allem international wettbewerbsfähige Stromversorgung steuert Bayern absehbar einer Deindustrialisierung entgegen, mit erheblichen Wohlstands- und Arbeitsplatzverlusten. Die energieintensiven Industrien setzen sich mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft für eine Lösung im europäischen Kontext ein, die den Sicherheitsbedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird und wirtschaftlich tragfähig ist.